Highlight-Event der Sparkasse

Der Mann ist nicht nur eines der bekanntesten Gesichter unter den Schiedsrichtern im Profi-Fußball – Deniz Aytekin kann auch wunderbar aus dem Nähkästchen plaudern.

Bei seinem Vortrag während des Highlight Events der Sparkasse Offenburg / Ortenau im vergangenen November, wo auch die Gewinner des #saugut Awards ausgezeichnet wurden, hingen die gut 1000 Zuhörer in der Oberrheinhalle jedenfalls gespannt an seinen Lippen. Und dabei ging es nicht nur um Anekdoten aus dem Bundesliga-Alltag, sondern auch um die Werte hinter der Schiedsrichterei. Uns hat er im Interview noch ein bisschen tiefer blicken lassen …

Deniz Aytekin, hat Ihnen eigentlich schon mal ein Spieler gesagt, dass Sie ein „sauguter Schiedsrichter“ sind?

So im genauen Wortlaut noch nicht. Aber es gibt schon Spieler und Verantwortliche, die ihre Wertschätzung kundtun, indem sie auch mal nette Sachen sagen. Zum Beispiel sowas wie „an dir hat es nicht gelegen“. Das ist doch schon was für einen Schiedsrichter (lacht).

Wie wichtig ist denn Wertschätzung für Spielleiter? Oft ist’s ja so, dass Sie und Ihre Kollegen erst dann in den Fokus rücken, wenn Sie Fehler machen …

Am Ende braucht jeder Mensch eine gewisse Wertschätzung und Bestätigung für die Arbeit, die er leistet. Das bestärkt uns alle. Bei uns Schiedsrichtern ist das natürlich ein bisschen schwieriger, da von uns erwartet wird, dass wir immer richtigliegen. Wenn wir das hinbekommen, wird uns trotzdem nicht zugejubelt. Aber dessen sind wir uns natürlich bewusst.

Wie ist es denn umgekehrt? Wie geben Sie Wertschätzung auf und neben dem Platz weiter?

In unterschiedlichster Form. Ich sag schon auch mal auf dem Platz zu den Spielern, wenn es ein tolles Tor oder einen klasse Spielzug gab, dass das ein super Ding war. Man kennt sich ja auch seit Jahren, da ist das meiner Meinung nach kein Problem. Deswegen kann ich meinem Job trotzdem neutral und objektiv nachgehen. Wenn mich etwas begeistert, dann sage ich das auch.


Die Sparkasse in Offenburg hat – das haben Sie bei Ihrem Besuch ja mitbekommen – durch die #saugut Awards eine ganze Reihe ehrenamtlich geführter Vereine gefördert. Das ist ja auch eine Form der Wertschätzung. Wie wichtig ist das Ihrer Meinung nach, gerade auf dieser Ebene?

Super wichtig! An der Basis gibt es extrem viele Menschen, die alles dafür tun, dass Menschen, gerade junge Menschen, ihrer Leidenschaft nachgehen können. Ohne Ehrenamt und ohne deren Förderer würde es auch im Fußball in der Form nicht funktionieren. Insofern kann man dieses Engagement eigentlich gar nicht genug gutheißen.

Sind Sie denn selbst auch noch im Verein ehrenamtlich aktiv?

Mein Verein, für den ich Spiele leite, ist ja der TSV Altenberg. Da bin ich natürlich ab und an, leite auch mal Jugendspiele und gebe den Kindern und Jugendlichen meine Erfahrungen weiter. Ich halte auch Vorträge an Schulen, zum Thema Respekt zum Beispiel.

Zuletzt waren Sie ja auch mit einem Vortrag bei uns. Da haben Sie eben nicht nur über Fußball, sondern auch über Wertschätzung, Führung und Kommunikation gesprochen. Wie hängen diese Dinge mit der Schiedsrichterei zusammen?

Ein Spiel kann man nicht nur mit gelben und roten Karten leiten. Genauso wenig kann eine Führungskraft in einem Unternehmen nur mit Bestrafungen und Konsequenzen führen.

Menschen wollen gesehen und wertgeschätzt werden. Gerade jetzt, in Zeiten des Fachkräftemangels, kann das den Unterschied machen. Es geht eben nicht immer nur ums Geld. Wenn sich ein Mitarbeiter gesehen und integriert fühlt und auch Verantwortung übernehmen kann, dann führt das zu einer größeren Bindung. Und genauso ist es auch beim Schiedsrichter. Wenn der Spieler spürt, dass ich ihn in seiner Rolle respektiere und wertschätze, dann kann er mich in meiner Rolle auch viel leichter akzeptieren. Wenn man sich bewusst macht, dass es am Ende immer um Menschen geht, dann sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man seine eigenen Ziele auch nur über Menschlichkeit erreichen kann.


Wo Menschen am Werk sind, passieren natürlich auch Fehler. Ihnen ja auch. Wie schwer fällt es Ihnen denn, diese einzugestehen?

Überhaupt nicht schwer. Unsere Entscheidungen werden ja eh ohne Ende durchleuchtet. Ich stehe dazu, versuche aber zu erklären, wie es dazu gekommen ist. So können andere zumindest nachvollziehen, wie der Fehler passieren konnte.

Und wie ist es umgekehrt, wenn Sie in der Führungsrolle sind, wenn einer Ihrer Assistenten mal die falsche Entscheidung trifft? Wie gehen Sie damit um?

Das ist eigentlich genau das Gleiche, sprich: Ich hoffe oder erwarte, dass Menschen akzeptieren, dass ich nicht fehlerlos bin. Und wenn dann meine Assistenten Fehler machen, dann gehe ich damit auch so um. Was ich gelernt habe: Wenn man Menschen gestattet, dass sie auch mal Fehler machen dürfen, hat das eine wahnsinnige Kraft. Sie werden dadurch mutiger und proaktiver, wenn sie nicht gleich beim kleinsten Fauxpas abgestraft werden. Trotzdem muss man über Fehler reden, klar.

Ein letztes Stichwort hätte ich noch: Was Sie in Ihren Vorträgen auch immer wieder erwähnen, ist Respekt …

… das ist die Grundlage zwischen Menschen. Den anderen sehen, dem anderen zuhören und ihn akzeptieren. Leider haben wir zuletzt in unserer Gesellschaft ein Stück weit unsere Diskussionskultur verloren. Man diskutiert nicht mehr, viele sind schnell beleidigt oder aggressiv. Deshalb ist Respekt so wichtig. Auf dem Platz natürlich auch. Der Profi-Fußball muss Vorbild sein, für Respekt einstehen.

Abschließend gefragt, wir sind ja ein Sparkassen-Magazin, da sollte diese Frage gestattet sein: Sie haben beruflich mit der Farbe Rot zu tun. Gilt das auch für Ihr Bankkonto?

(lacht) Ja. Ich bin seit Jahrzehnten bei der Sparkasse Nürnberg und fühle mich sehr gut aufgehoben. Bei den Finanzen hab ich’s nicht so mit großen Experimenten. Da geh ich auf Nummer sicher …